10 STORIES of life – Nachdenk-Geschichten rund ums Glücklichsein

Leseprobe zu Band 1:  Nachdenk-Geschichten „Glücklichsein“ (12/2020)

Die Buchreihe 10 STORIES of life beleuchtet unsere Fragen des Lebens anhand inspirierender Nachdenk-Geschichten.

Ben ist Ballonfahrer aus Leidenschaft und ein echter Storyteller. Wer gemeinsam mit ihm aufsteigt, sieht mehr als die Schönheit der Natur, denn die Fahrt in einem Heißluftballon verändert den Blick auf die Welt. Leichter ist es dort oben, ruhiger und freier. Aus der Vogelperspektive erscheint die Wirklichkeit in einem anderen Licht – der irdische Alltag rückt in den Hintergrund.

Lehn dich zurück und begleite Ben auf seiner Mission in luftiger Höhe: Mit zehn weisen Erzählungen setzt er frische Impulse und schenkt seinen heutigen Fahrgästen Stella und Marius eine unvergessliche Reise zu sich selbst.

„Nutzen wir den Moment – denn niemand weiß heute, wohin der Wind uns morgen weht.“ Benjamin Wisely, Experte für entschleunigte Luftfahrt

10 STORIES of life – Nachdenk-Geschichten rund ums Glücklichsein

Leseprobe zu Band 1:  Nachdenk-Geschichten „Glücklichsein“ (12/2020)

Die Buchreihe 10 STORIES of life beleuchtet unsere Fragen des Lebens anhand inspirierender Nachdenk-Geschichten.

Ben ist Ballonfahrer aus Leidenschaft und ein echter Storyteller. Wer gemeinsam mit ihm aufsteigt, sieht mehr als die Schönheit der Natur, denn die Fahrt in einem Heißluftballon verändert den Blick auf die Welt. Leichter ist es dort oben, ruhiger und freier. Aus der Vogelperspektive erscheint die Wirklichkeit in einem anderen Licht – der irdische Alltag rückt in den Hintergrund.

Lehn dich zurück und begleite Ben auf seiner Mission in luftiger Höhe: Mit zehn weisen Erzählungen setzt er frische Impulse und schenkt seinen heutigen Fahrgästen Stella und Marius eine unvergessliche Reise zu sich selbst.

„Nutzen wir den Moment – denn niemand weiß heute, wohin der Wind uns morgen weht.“ Benjamin Wisely, Experte für entschleunigte Luftfahrt

Inhalt

Vorwort

Leseprobe

Vorwort
Stella
Marius
Ben
Der Start
1 – Gewinn der Achtsamkeit: »Der Strandtag«
2 – Werte empfinden: »Drei Räume«
3 – Umgang mit Veränderung: »Die Wellenreiterin«
4 – Frieden in der Akzeptanz: »Der rabenschwarze Glückstag«
5 – Folgen des Vergleichs: »Der Hobbygärtner«
6 – Klarheit in der Fokussierung: »Der Parkettboden«
7 – Eine Frage des Blickwinkels: »Die Autorin«
8 – Perfektes Leben: »Die Geschäftspartner«
9 – Welt des Materialismus: »Die Wand«
10 – Glück der Dankbarkeit: »Das Interview«
Die Landung
Stellas Notizblock
Nachwort
Zitate, Quellen und Urheber

In jeder Hinsicht glücklich sein – wer wünscht sich das nicht? Wäre es so einfach umzusetzen, wie es klingt, blieben keine Fragen offen. Doch insbesondere im Bereich der »unsichtbaren« Elemente des Lebens fällt das Verständnis dafür, wie und warum manches geschieht, oft schwer. Wir spüren, dass etwas nicht stimmig ist, sind aber nicht in der Lage, festzumachen, woran es liegt.

Ziehen wir bei unbekannten Sachverhalten oder in unverständlichen Situationen Parallelen zu solchen, die uns bereits vertraut sind, erfassen wir Zusammenhänge besser und sehen Hintergründe klarer. Die Geschichtenform eignet sich hierfür besonders gut. Sie ist seit Jahrtausenden eine beliebte Methode, Botschaften zu vermitteln und Erfahrungen weiterzugeben: von frühen Höhlenmalereien über Sagen- und Märchenerzählungen am Lagerfeuer sowie den ersten Buchdruck bis in die heutige digitale Welt.

Damit unterstützt das Storytelling die Entwicklung unserer Persönlichkeit, fördert das Verständnis für bestimmte Verhaltensweisen und schärft die bewusste Wahrnehmung des eigenen Handelns. Viele automatisch ablaufende Prozesse des Unterbewusstseins entspringen den menschlichen Urinstinkten. Sie spiegeln erlernte Muster wider, die großen Einfluss auf unsere Gefühlswelt haben, ohne dass wir es bemerken. Richten wir jedoch im dunklen Bühnenbild das Scheinwerferlicht auf die richtige Stelle, sehen wir plötzlich Dinge, die uns bis dahin verborgen geblieben sind. Sie zu erkennen, ist der Schlüssel, um Lösungen zu entwickeln und Veränderungen anzustoßen.

Auf den kommenden Seiten begleiten Sie den Ballonfahrer Benjamin Wisely. Seine Erzählungen in luftiger Höhe setzen frische Impulse, regen zum Nachdenken an und unterstützen die Tagesgäste Stella und Marius bei einer inspirierenden Reise zu sich selbst. Auch wenn sich alle weiteren Geschichten in diesem Buch an unserem realen Leben orientieren, möchte ich mit einer kleinen Fabel über die Macht des Bewusstseins beginnen:

Die Ente am See

Die Ente Enie saß am Ufer des Sees und putzte ihr Gefieder. Einige Meter entfernt hatte es sich eine Gänsefamilie bequem gemacht, die es ihr gleichtat. Mit schräg gelegtem Kopf dachte Enie nach, wann sie die vier an ihrem Heimatgewässer zuletzt gesehen hatte – es erschien ihr wie eine Ewigkeit.
Ein Schnabel stupste sie leicht von hinten an und unterbrach ihre Gedankengänge.
»Weißt du schon, wo wir heute Nacht schlafen?«, fragte ihre Mutter, plusterte sich auf und schüttelte das überschüssige Wasser aus ihrem Federkleid. »Du hast immer so schöne Ideen, mein Kind.« Erwartungsvoll sah sie ihre Tochter an. Enie versprach, ein geeignetes Plätzchen für die Familie zu finden.

Am Abend hockte die Ente im Schilf und sah auf den See hinaus. Die Gänsefamilie vom Nachmittag paddelte auf sie zu – ihre Flossenschwünge hinterließen sanfte Wellen auf der glitzernden Oberfläche. Schnatternd begrüßten sie Enie und erkundigten sich nach ihrem Befinden.
»Mir geht es bestens«, antwortete diese freundlich. »Ich habe euch lange nicht gesehen. Das Schilf ist zwar recht dicht gewachsen, doch eigentlich durchlässig genug, um vier Gänse darin auszumachen.«
»Wir haben neue Gebiete erkundet«, gab eines der Gänsejungen bereitwillig Auskunft. »Das war ganz schön aufregend.«
»Neue Gebiete?«, wiederholte Enie verdutzt. »Ich lebe seit vielen Jahren am See und kenne jeden Winkel. Gäbe es hier neue Gebiete, wüsste ich sicher davon.«
»Wir haben den linken Weg genommen. Irgendwann kamen wir an einen Bachlauf neben einem Waldstück. Dort waren Kinder, die uns mit Brot fütterten«, erzählte der kleine Gänserich.
Enies Gesichtsausdruck verriet ihre Verwirrung. »Linker Weg?«, quakte sie. »Um den See herum führt nur ein Pfad, an dessen Ende es wieder von vorn losgeht. Und was meint ihr bloß mit Wald, Kindern und Brot? Ich habe keine Idee, wovon ihr redet.«
Das Gänsejunge zupfte auffordernd an der Schwanzfeder seiner Mutter. Die streckte daraufhin die Flügel aus, flatterte kurz auf und ließ sich dann auf die Wasseroberfläche zurücksinken. Versonnen blickte sie in die Ferne. »Schau«, forderte sie die Ente auf, wobei ihr Schnabel Richtung Osten deutete. »Siehst du die Abzweigungen dahinten?«
Enie wandte sich um und erkannte tatsächlich drei Wege, die vom See wegführten. »Wie kommen diese Pfade plötzlich dorthin?«, wunderte sie sich.
»Du läufst jeden Tag daran vorbei«, antwortete die Gänsemutter. »Sie sind immer da gewesen, du hast sie bis heute nur nicht bewusst wahrgenommen.«
»Das ging uns lange Zeit ebenso«, ergänzte der Gänsevater. »Manche Pfade sind von Büschen überwuchert oder hinter Hecken versteckt, andere dagegen liegen von Anfang an offen vor uns. Nachdem wir den ersten gefunden hatten, war unsere Sorge groß, denn wir wussten nicht, was uns erwartet. Doch mit jedem Meter, den wir zurücklegten, fiel es uns leichter – und am Ende wurden wir für den Mut belohnt.« Er legte eine Kunstpause ein und fuhr dann mit gesenkter Stimme fort. »Hinter dem Horizont warten neben dem Risiko der Ungewissheit auch viele Chancen auf uns.«
Schweigend sah Enie die vier Gänse an. Sie schluckte. Bestand die Welt wirklich aus mehr als diesem See? Was wohl geschähe, wenn sie einen der Wege wählen und ihn gehen würde? Nach einiger Bedenkzeit kam ihr die Aussage der Mutter vom Nachmittag wieder in den Sinn. »Du hast immer so schöne Ideen, mein Kind«, murmelte sie die Worte vor sich hin, und in ihren Augen blitzte ein unternehmungslustiges Funkeln.

Solange Unbewusstes nicht bewusst gemacht wird, lenkt es dein Leben und du nennst es Schicksal. – Carl Gustav Jung

Und nun wünsche ich eine entspannte Lesezeit und eine Vielzahl glücklicher Momente auf Ihrem persönlichen Lebensweg.

Ihre
Tara Riedman

Stella

Stella lehnte sich im Beifahrersitz zurück und schaute durch die Scheibe des Seitenfensters. Die Bäume am Rande der Landstraße wiegten sanft ihr Blätterkleid, durch vereinzelte Schäfchenwolken erstrahlte der Himmel über ihr in hellem Blau. Optimales Reisewetter, wie der Ballonfahrer ihr mittags telefonisch versichert hatte. In einer guten Stunde würde sie also aufsteigen und das Erdenleben für eine Weile von oben betrachten. Trotz idealer Rahmenbedingungen machte ihr Herz einen kleinen Satz bei dem Gedanken daran, die Bodenhaftung aufzugeben. Mit den Fingern der rechten Hand schüttelte sie ihren Pony auf, bis er locker auf die Stirn fiel. Seitliche Strähnen umrahmten ihr Gesicht, wobei sich der Rest des dunkelblonden Haars glatt über die Schultern und den Rücken legte.
»Es wird bestimmt ziemlich windig. Meinst du, ich sollte sie lieber zusammenbinden?«, fragte Stella ihre Freundin Katy, die den Wagen in Richtung Startplatz lenkte.
»Mache es so, wie du dich wohlfühlst«, antwortete sie, den Blick weiterhin auf die Straße gerichtet. »Die Fahrt wird ruhiger, als du denkst. Ihr bewegt euch schließlich mit dem Wind und nicht dagegen.«
»Weiß dieser Ben wirklich, was er tut? Meine Familie braucht mich noch.«
»Er ist absolut zuverlässig«, versicherte Katy. »Ich würde jederzeit wieder bei ihm einsteigen, sonst hätte ich dir die Tour niemals vorgeschlagen. Die Zeit mit ihm im Ballonkorb hat meinem Leben neuen Schwung gegeben und das wünsche ich dir auch.«
»Okay«, Stella setzte sich gerade hin und straffte die Schultern. »Ich schaffe das!«
»Natürlich schaffst du das.«
»Und alles läuft glatt – ohne Zwischenfälle.«
Katy lächelte. »Es hilft, aus der Alltagsmühle herauszukommen und einen frischen Blick auf die Dinge zu werfen.«
Stella zog eine Augenbraue hoch. »Er hält mir aber keine Moralpredigten, oder?«
»Lass dich einfach überraschen und sei nicht immer so skeptisch.«
»Solche Experimente fallen mir eben schwer, das weißt du doch.«
»Und ob ich das weiß. Kontrollverlust ist nicht deine Welt.«
»Das kannst du laut sagen«, murmelte Stella.
»Umso wichtiger, dass du über deinen Schatten springst und neuen Wegen eine Chance gibst.«
Anstelle einer Antwort verpasste Stella ihrer Freundin einen leichten Knuff auf den Oberarm.
»Hey, du schubst beim Autofahren?«, rief Katy grinsend. »War das etwa eine Mutprobe?«
Stella zog einen Schmollmund. »Ja, fällt bei mir ganz klar in den Bereich Hochrisikostufe. Und jetzt konzentrier dich bitte! Da hinten irgendwo ist das Startgelände und ich würde gerne lebendig ankommen.«

***

Sie folgten der Straße bis zu einer kleinen Einbuchtung, die mehr einem Trampelpfad als einer Einfahrt glich. Katy stoppte den Wagen am Straßenrand, dann holperten sie im ersten Gang über die trockene Erde den Weg entlang. Auf einem annähernd ebenen Stück kamen sie schließlich zum Stehen und stiegen aus.
Stella wedelte mit der flachen Hand vor ihrem Gesicht herum, was leichten Wind erzeugte und ihr den Übergang vom klimatisierten Innenraum des Fahrzeugs in die Spätsommerluft erleichterte. »Komm, wir schießen ein paar Fotos«, forderte sie ihre Freundin auf, nachdem sie sich an die für den frühen Abend noch recht hohe Temperatur gewöhnt hatte. Sie zückte ihr Smartphone und lehnte sich rückwärts an die Motorhaube. »Eine Arbeitskollegin hat kürzlich auch eine Ballontour gemacht und unglaubliche Bilder auf ihren Social-Media-Profilen veröffentlicht«, erklärte Stella zwischen zwei Selfies. »Sie wird vielleicht staunen, wenn sie meine nachher sieht.«
Einige Fotos später stellte Stella die Aufnahmen mit flinken Fingern online, bevor sie das Telefon zurück in ihre Handtasche steckte und den Gleiter des Reißverschlusses sorgfältig bis zum letzten Zahn zuzog. Anschließend sah sie auf und schaute sich zum ersten Mal seit ihrer Ankunft richtig um. Vor ihr erstreckte sich ein offenes Feld, das den Horizont in weite Ferne rückte und sie erahnen ließ, wie grenzenlos die Natur wäre, würde der Mensch ihr freien Lauf lassen. Zu ihrer Linken säumte alter Baumbestand die Landschaft und spendete der darunter stehenden Sitzbank ein Mindestmaß an Schutz vor Wind und Wetter. Auf der Bank saßen eine Frau und ein Mann. Auf die Entfernung erkannte Stella keine Details, doch schienen sie in ein Gespräch vertieft.
»Es ist fast halb sieben. Siehst du Marius irgendwo?«, fragte sie Katy und drehte sich zur Landstraße herum, die sie selbst kurz zuvor hergeführt hatte.
»Dein Bruder kommt bestimmt gleich«, antwortete die Freundin und schirmte ihre Augen mit der Hand gegen die Sonne ab. »Schau«, rief sie plötzlich. »Dahinten sitzt Ben.«
Stella folgte ihrem Blick. »Und wer ist die Frau neben ihm?«
Katy blinzelte. »Das ist Mary«, meinte sie dann. »Sie war bei meiner Ballonfahrt zum Start und zur Landung auch da.«
Stella nickte. Sie schaute noch einmal Richtung Straße zurück, aber von ihrem Bruder war weit und breit nichts zu sehen.
»Keine Panik, er verspätet sich wahrscheinlich nur etwas«, beruhigte Katy, die ihre Freundin gut genug kannte, um ihre Gedankengänge zu erahnen. Sie ergriff ihre Hand und zog sie auf das Feld hinaus, in dessen Mitte ein Transporter mit Anhänger stand.
Stella versuchte, mit ihr Schritt zu halten, achtete dabei jedoch genau darauf, wohin sie trat, um nicht zu stolpern. Der Boden unter ihren Füßen wirkte brüchig. Die Sommermonate waren bisher allesamt zu trocken gewesen und hatten bei der Erde des Stoppelfelds ihre Spuren hinterlassen. Der Duft von frischem Heu stieg ihr in die Nase – ein warmes Kribbeln breitete sich in Stella aus. Irgendwo im Umkreis musste es eine Pferdekoppel oder einen Stall geben, dafür besaß sie auch nach all den Jahren noch ein feines Näschen. Ihre Großmutter war zwar längst verstorben, die Erinnerungen an ihre Kindheit auf deren Hof verblasst. Doch in einem versteckten Winkel des Unterbewusstseins hatte sie all die Erlebnisse und die damit verbundenen Emotionen offenbar fein säuberlich abgespeichert.
»Nun komm schon. Bist du denn gar nicht neugierig?«, drängte Katy.
Stella zuckte zusammen, als erwache sie aus einem Traum. Erst jetzt bemerkte sie, dass sie abrupt stehen geblieben war. Gerade wollte sie ihrer Freundin antworten, da ließ das Brummen eines Motors sie herumwirbeln. Ein dunkelblauer Kombi bog in den Feldweg ein.

Inhalt

Vorwort
Stella
Marius
Ben
Der Start
1 – Gewinn der Achtsamkeit: »Der Strandtag«
2 – Werte empfinden: »Drei Räume«
3 – Umgang mit Veränderung: »Die Wellenreiterin«
4 – Frieden in der Akzeptanz: »Der rabenschwarze Glückstag«
5 – Folgen des Vergleichs: »Der Hobbygärtner«
6 – Klarheit in der Fokussierung: »Der Parkettboden«
7 – Eine Frage des Blickwinkels: »Die Autorin«
8 – Perfektes Leben: »Die Geschäftspartner«
9 – Welt des Materialismus: »Die Wand«
10 – Glück der Dankbarkeit: »Das Interview«
Die Landung
Stellas Notizblock
Nachwort
Zitate, Quellen und Urheber

Vorwort

In jeder Hinsicht glücklich sein – wer wünscht sich das nicht? Wäre es so einfach umzusetzen, wie es klingt, blieben keine Fragen offen. Doch insbesondere im Bereich der »unsichtbaren« Elemente des Lebens fällt das Verständnis dafür, wie und warum manches geschieht, oft schwer. Wir spüren, dass etwas nicht stimmig ist, sind aber nicht in der Lage, festzumachen, woran es liegt.

Ziehen wir bei unbekannten Sachverhalten oder in unverständlichen Situationen Parallelen zu solchen, die uns bereits vertraut sind, erfassen wir Zusammenhänge besser und sehen Hintergründe klarer. Die Geschichtenform eignet sich hierfür besonders gut. Sie ist seit Jahrtausenden eine beliebte Methode, Botschaften zu vermitteln und Erfahrungen weiterzugeben: von frühen Höhlenmalereien über Sagen- und Märchenerzählungen am Lagerfeuer sowie den ersten Buchdruck bis in die heutige digitale Welt.

Damit unterstützt das Storytelling die Entwicklung unserer Persönlichkeit, fördert das Verständnis für bestimmte Verhaltensweisen und schärft die bewusste Wahrnehmung des eigenen Handelns. Viele automatisch ablaufende Prozesse des Unterbewusstseins entspringen den menschlichen Urinstinkten. Sie spiegeln erlernte Muster wider, die großen Einfluss auf unsere Gefühlswelt haben, ohne dass wir es bemerken. Richten wir jedoch im dunklen Bühnenbild das Scheinwerferlicht auf die richtige Stelle, sehen wir plötzlich Dinge, die uns bis dahin verborgen geblieben sind. Sie zu erkennen, ist der Schlüssel, um Lösungen zu entwickeln und Veränderungen anzustoßen.

Auf den kommenden Seiten begleiten Sie den Ballonfahrer Benjamin Wisely. Seine Erzählungen in luftiger Höhe setzen frische Impulse, regen zum Nachdenken an und unterstützen die Tagesgäste Stella und Marius bei einer inspirierenden Reise zu sich selbst. Auch wenn sich alle weiteren Geschichten in diesem Buch an unserem realen Leben orientieren, möchte ich mit einer kleinen Fabel über die Macht des Bewusstseins beginnen:

Die Ente am See

Die Ente Enie saß am Ufer des Sees und putzte ihr Gefieder. Einige Meter entfernt hatte es sich eine Gänsefamilie bequem gemacht, die es ihr gleichtat. Mit schräg gelegtem Kopf dachte Enie nach, wann sie die vier an ihrem Heimatgewässer zuletzt gesehen hatte – es erschien ihr wie eine Ewigkeit.
Ein Schnabel stupste sie leicht von hinten an und unterbrach ihre Gedankengänge.
»Weißt du schon, wo wir heute Nacht schlafen?«, fragte ihre Mutter, plusterte sich auf und schüttelte das überschüssige Wasser aus ihrem Federkleid. »Du hast immer so schöne Ideen, mein Kind.« Erwartungsvoll sah sie ihre Tochter an. Enie versprach, ein geeignetes Plätzchen für die Familie zu finden.

Am Abend hockte die Ente im Schilf und sah auf den See hinaus. Die Gänsefamilie vom Nachmittag paddelte auf sie zu – ihre Flossenschwünge hinterließen sanfte Wellen auf der glitzernden Oberfläche. Schnatternd begrüßten sie Enie und erkundigten sich nach ihrem Befinden.
»Mir geht es bestens«, antwortete diese freundlich. »Ich habe euch lange nicht gesehen. Das Schilf ist zwar recht dicht gewachsen, doch eigentlich durchlässig genug, um vier Gänse darin auszumachen.«
»Wir haben neue Gebiete erkundet«, gab eines der Gänsejungen bereitwillig Auskunft. »Das war ganz schön aufregend.«
»Neue Gebiete?«, wiederholte Enie verdutzt. »Ich lebe seit vielen Jahren am See und kenne jeden Winkel. Gäbe es hier neue Gebiete, wüsste ich sicher davon.«
»Wir haben den linken Weg genommen. Irgendwann kamen wir an einen Bachlauf neben einem Waldstück. Dort waren Kinder, die uns mit Brot fütterten«, erzählte der kleine Gänserich.
Enies Gesichtsausdruck verriet ihre Verwirrung. »Linker Weg?«, quakte sie. »Um den See herum führt nur ein Pfad, an dessen Ende es wieder von vorn losgeht. Und was meint ihr bloß mit Wald, Kindern und Brot? Ich habe keine Idee, wovon ihr redet.«
Das Gänsejunge zupfte auffordernd an der Schwanzfeder seiner Mutter. Die streckte daraufhin die Flügel aus, flatterte kurz auf und ließ sich dann auf die Wasseroberfläche zurücksinken. Versonnen blickte sie in die Ferne. »Schau«, forderte sie die Ente auf, wobei ihr Schnabel Richtung Osten deutete. »Siehst du die Abzweigungen dahinten?«
Enie wandte sich um und erkannte tatsächlich drei Wege, die vom See wegführten. »Wie kommen diese Pfade plötzlich dorthin?«, wunderte sie sich.
»Du läufst jeden Tag daran vorbei«, antwortete die Gänsemutter. »Sie sind immer da gewesen, du hast sie bis heute nur nicht bewusst wahrgenommen.«
»Das ging uns lange Zeit ebenso«, ergänzte der Gänsevater. »Manche Pfade sind von Büschen überwuchert oder hinter Hecken versteckt, andere dagegen liegen von Anfang an offen vor uns. Nachdem wir den ersten gefunden hatten, war unsere Sorge groß, denn wir wussten nicht, was uns erwartet. Doch mit jedem Meter, den wir zurücklegten, fiel es uns leichter – und am Ende wurden wir für den Mut belohnt.« Er legte eine Kunstpause ein und fuhr dann mit gesenkter Stimme fort. »Hinter dem Horizont warten neben dem Risiko der Ungewissheit auch viele Chancen auf uns.«
Schweigend sah Enie die vier Gänse an. Sie schluckte. Bestand die Welt wirklich aus mehr als diesem See? Was wohl geschähe, wenn sie einen der Wege wählen und ihn gehen würde? Nach einiger Bedenkzeit kam ihr die Aussage der Mutter vom Nachmittag wieder in den Sinn. »Du hast immer so schöne Ideen, mein Kind«, murmelte sie die Worte vor sich hin, und in ihren Augen blitzte ein unternehmungslustiges Funkeln.

Solange Unbewusstes nicht bewusst gemacht wird, lenkt es dein Leben und du nennst es Schicksal. – Carl Gustav Jung

Und nun wünsche ich eine entspannte Lesezeit und eine Vielzahl glücklicher Momente auf Ihrem persönlichen Lebensweg.

Ihre
Tara Riedman

Leseprobe

Stella

Stella lehnte sich im Beifahrersitz zurück und schaute durch die Scheibe des Seitenfensters. Die Bäume am Rande der Landstraße wiegten sanft ihr Blätterkleid, durch vereinzelte Schäfchenwolken erstrahlte der Himmel über ihr in hellem Blau. Optimales Reisewetter, wie der Ballonfahrer ihr mittags telefonisch versichert hatte. In einer guten Stunde würde sie also aufsteigen und das Erdenleben für eine Weile von oben betrachten. Trotz idealer Rahmenbedingungen machte ihr Herz einen kleinen Satz bei dem Gedanken daran, die Bodenhaftung aufzugeben. Mit den Fingern der rechten Hand schüttelte sie ihren Pony auf, bis er locker auf die Stirn fiel. Seitliche Strähnen umrahmten ihr Gesicht, wobei sich der Rest des dunkelblonden Haars glatt über die Schultern und den Rücken legte.
»Es wird bestimmt ziemlich windig. Meinst du, ich sollte sie lieber zusammenbinden?«, fragte Stella ihre Freundin Katy, die den Wagen in Richtung Startplatz lenkte.
»Mache es so, wie du dich wohlfühlst«, antwortete sie, den Blick weiterhin auf die Straße gerichtet. »Die Fahrt wird ruhiger, als du denkst. Ihr bewegt euch schließlich mit dem Wind und nicht dagegen.«
»Weiß dieser Ben wirklich, was er tut? Meine Familie braucht mich noch.«
»Er ist absolut zuverlässig«, versicherte Katy. »Ich würde jederzeit wieder bei ihm einsteigen, sonst hätte ich dir die Tour niemals vorgeschlagen. Die Zeit mit ihm im Ballonkorb hat meinem Leben neuen Schwung gegeben und das wünsche ich dir auch.«
»Okay«, Stella setzte sich gerade hin und straffte die Schultern. »Ich schaffe das!«
»Natürlich schaffst du das.«
»Und alles läuft glatt – ohne Zwischenfälle.«
Katy lächelte. »Es hilft, aus der Alltagsmühle herauszukommen und einen frischen Blick auf die Dinge zu werfen.«
Stella zog eine Augenbraue hoch. »Er hält mir aber keine Moralpredigten, oder?«
»Lass dich einfach überraschen und sei nicht immer so skeptisch.«
»Solche Experimente fallen mir eben schwer, das weißt du doch.«
»Und ob ich das weiß. Kontrollverlust ist nicht deine Welt.«
»Das kannst du laut sagen«, murmelte Stella.
»Umso wichtiger, dass du über deinen Schatten springst und neuen Wegen eine Chance gibst.«
Anstelle einer Antwort verpasste Stella ihrer Freundin einen leichten Knuff auf den Oberarm.
»Hey, du schubst beim Autofahren?«, rief Katy grinsend. »War das etwa eine Mutprobe?«
Stella zog einen Schmollmund. »Ja, fällt bei mir ganz klar in den Bereich Hochrisikostufe. Und jetzt konzentrier dich bitte! Da hinten irgendwo ist das Startgelände und ich würde gerne lebendig ankommen.«

***

Sie folgten der Straße bis zu einer kleinen Einbuchtung, die mehr einem Trampelpfad als einer Einfahrt glich. Katy stoppte den Wagen am Straßenrand, dann holperten sie im ersten Gang über die trockene Erde den Weg entlang. Auf einem annähernd ebenen Stück kamen sie schließlich zum Stehen und stiegen aus.
Stella wedelte mit der flachen Hand vor ihrem Gesicht herum, was leichten Wind erzeugte und ihr den Übergang vom klimatisierten Innenraum des Fahrzeugs in die Spätsommerluft erleichterte. »Komm, wir schießen ein paar Fotos«, forderte sie ihre Freundin auf, nachdem sie sich an die für den frühen Abend noch recht hohe Temperatur gewöhnt hatte. Sie zückte ihr Smartphone und lehnte sich rückwärts an die Motorhaube. »Eine Arbeitskollegin hat kürzlich auch eine Ballontour gemacht und unglaubliche Bilder auf ihren Social-Media-Profilen veröffentlicht«, erklärte Stella zwischen zwei Selfies. »Sie wird vielleicht staunen, wenn sie meine nachher sieht.«
Einige Fotos später stellte Stella die Aufnahmen mit flinken Fingern online, bevor sie das Telefon zurück in ihre Handtasche steckte und den Gleiter des Reißverschlusses sorgfältig bis zum letzten Zahn zuzog. Anschließend sah sie auf und schaute sich zum ersten Mal seit ihrer Ankunft richtig um. Vor ihr erstreckte sich ein offenes Feld, das den Horizont in weite Ferne rückte und sie erahnen ließ, wie grenzenlos die Natur wäre, würde der Mensch ihr freien Lauf lassen. Zu ihrer Linken säumte alter Baumbestand die Landschaft und spendete der darunter stehenden Sitzbank ein Mindestmaß an Schutz vor Wind und Wetter. Auf der Bank saßen eine Frau und ein Mann. Auf die Entfernung erkannte Stella keine Details, doch schienen sie in ein Gespräch vertieft.
»Es ist fast halb sieben. Siehst du Marius irgendwo?«, fragte sie Katy und drehte sich zur Landstraße herum, die sie selbst kurz zuvor hergeführt hatte.
»Dein Bruder kommt bestimmt gleich«, antwortete die Freundin und schirmte ihre Augen mit der Hand gegen die Sonne ab. »Schau«, rief sie plötzlich. »Dahinten sitzt Ben.«
Stella folgte ihrem Blick. »Und wer ist die Frau neben ihm?«
Katy blinzelte. »Das ist Mary«, meinte sie dann. »Sie war bei meiner Ballonfahrt zum Start und zur Landung auch da.«
Stella nickte. Sie schaute noch einmal Richtung Straße zurück, aber von ihrem Bruder war weit und breit nichts zu sehen.
»Keine Panik, er verspätet sich wahrscheinlich nur etwas«, beruhigte Katy, die ihre Freundin gut genug kannte, um ihre Gedankengänge zu erahnen. Sie ergriff ihre Hand und zog sie auf das Feld hinaus, in dessen Mitte ein Transporter mit Anhänger stand.
Stella versuchte, mit ihr Schritt zu halten, achtete dabei jedoch genau darauf, wohin sie trat, um nicht zu stolpern. Der Boden unter ihren Füßen wirkte brüchig. Die Sommermonate waren bisher allesamt zu trocken gewesen und hatten bei der Erde des Stoppelfelds ihre Spuren hinterlassen. Der Duft von frischem Heu stieg ihr in die Nase – ein warmes Kribbeln breitete sich in Stella aus. Irgendwo im Umkreis musste es eine Pferdekoppel oder einen Stall geben, dafür besaß sie auch nach all den Jahren noch ein feines Näschen. Ihre Großmutter war zwar längst verstorben, die Erinnerungen an ihre Kindheit auf deren Hof verblasst. Doch in einem versteckten Winkel des Unterbewusstseins hatte sie all die Erlebnisse und die damit verbundenen Emotionen offenbar fein säuberlich abgespeichert.
»Nun komm schon. Bist du denn gar nicht neugierig?«, drängte Katy.
Stella zuckte zusammen, als erwache sie aus einem Traum. Erst jetzt bemerkte sie, dass sie abrupt stehen geblieben war. Gerade wollte sie ihrer Freundin antworten, da ließ das Brummen eines Motors sie herumwirbeln. Ein dunkelblauer Kombi bog in den Feldweg ein.