Sunk Cost Fallacy Denkfehler erkennen und vermeiden: Wie wir zukünftig nicht mehr in die Rückblickfalle tappen.

Hast du dich mal gefragt, warum wir Dinge oft fortführen, obwohl es objektiv vernünftiger wäre, sie aufzugeben? Nein? Noch nie drüber nachgedacht? Nun, dann stehst du schon mit dem ersten Fuß in der Rückblickfalle, auch Sunk Cost Fallacy genannt. Denn sind wir uns dieses Denkfehlers nicht bewusst, schaltet sich unbemerkt der innere Autopilot ein und übernimmt das Steuer für uns. Am Ende tragen wir die Fehler der Vergangenheit mit in die Zukunft und wundern uns, wieso die Lage immer verfahrener und der Mühlstein um unseren Hals immer schwerer wird.

Denkfehler erkennen: Die Rückblickfalle – Sunk Cost Fallacy

Durch die Rückblickfalle tragen wir Fehlentscheidungen aus der Vergangenheit unbewusst mit in die Zukunft. Foto: Jalal Sheikh / pixabay

Was heißt Sunk Cost Fallacy?

Ich nenne die Versunkene-Kosten-Falle lieber Rückblickfalle, da es hierbei nicht ausschließlich um Kosten im Sinne von Geld geht. Der unreflektierte Blick auf vergangene Aufwendungen jeder Art beeinflusst unser Urteilsvermögen – insofern wir nicht gegensteuern. Der Aufwand kann finanzieller Natur sein, aber die Faktoren Zeit und Mühe spielen eine ebenso tragende Rolle. Kurz gesagt: Wir neigen dazu, eine Sache fortzuführen, wenn wir bereits Geld oder Energie dafür eingesetzt haben – völlig unabhängig davon, wie erfolgversprechend sie ist.

Die Rückblickfalle zuverlässig erkennen

Ohne bewusste Wahrnehmung läuft hier gar nichts. Um Denkfehler zu enttarnen, müssen wir unser eigenes Verhalten bei der Entscheidungsfindung also aktiv infrage stellen. Ich weiß, es steht bei den meisten Menschen nicht sonderlich hoch im Kurs, sich selbst zu hinterfragen, doch bewahrt es uns mitunter vor teuren Fehleinschätzungen. Stehen wir nun vor der Entscheidung, ob wir etwas fortführen sollen oder nicht, gibt es einen untrüglichen Hinweis auf die Rückblickfalle. Du erkennst ihn mithilfe der Warum-Frage: Warum möchtest du weitermachen? Beginnt deine Begründung mit »Weil ich schon so weit / so viel / so lang …«, dann heißt es: Vorsicht Falle! Das bedeutet zwar nicht, dass es garantiert falsch wäre, die betroffenen Projekte / Behandlungen / Beziehungen fortzusetzen, aber ein näherer Blick ist hier definitiv ratsam, um diesen verbreiteten Denkfehler auszuschließen.

Schweres Gepäck: Die Sunk Cost Fallacy legt uns Steine in den Lebensweg

Unnötig schweres Gepäck auf unserem Lebensweg: Durchschauen wir die Rückblickfalle (Sunk Cost Fallacy), sind wir zukünftig in der Lage, rechtzeitig die Reißleine zu ziehen und den Ballast abzuwerfen. Foto: andreas160578 / pixabay

Sunk Cost Fallacy Beispiel aus dem Alltag

Kommen wir von der Theorie mit ein paar Beispielen zur Praxis. Die Rückblickfalle lauert nämlich nicht nur in einer bestimmten Ecke auf uns, sondern in nahezu allen Lebensbereichen. Die wichtigsten Felder sind wohl für die meisten Menschen Partnerschaft, Freizeit, Arbeit, Gesundheit und Finanzen. Am Ende dieses Artikels findest du im Abschnitt »Selbstcoaching« drei Fragen, die dich vor dem Sprung in die Rückblickfalle bewahren.

Sunk Cost Fallacy in der Beziehung

»Jetzt sind wir schon so lange zusammen …« Kommt dir der Satzbeginn bekannt vor? Um eins klarzustellen: Ich bin absolut kein Fan davon, eine Beziehung bei den ersten Problemen über Bord zu werfen – ganz im Gegenteil. Aber der denkbar schlechteste Grund, das Leben miteinander zu verbringen, ist der, dass die Partnerschaft bereits lange besteht.

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Sunk Cost Fallacy in der Freizeit

Nehmen wir hier ein Fallbeispiel aus dem Gaming-Bereich, denn dort wimmelt es nur so von Rückblickfallen. Genauer gesagt sind fast alle Spiele und ein Großteil der Gratis-Apps exakt darauf aufgebaut. Die Basisversion erhältst du umsonst, willst du schneller vorankommen oder zusätzliche Features freischalten, wirst du zur Kasse gebeten. Grundsätzlich kein Problem, schließlich müssen die Anbieter sich ja irgendwie finanzieren. Doch je mehr Geld du in ein PC-Spiel oder eine App bereits gesteckt hast, desto schwerer wird es dir fallen, sie jemals wieder aufzugeben. Das nennt sich dann wohl »Kundenbindung«.

Sunk Cost Fallacy im Job

Schon so lange in der Firma? Unglücklich und trotzdem keinen Mut für einen Wechsel, weil du viel Mühe und Zeit in deine Stelle investiert hast? Dass es andere Optionen gibt, sehen wir oft erst, wenn wir unsere Komfort-Blase verlassen haben. Deine eingesetzte Zeit hat dir wertvolle Erfahrung gebracht – sie ist also keineswegs verloren. Vielleicht lohnt sich auch nach zwanzig Jahren Betriebszugehörigkeit ein Blick über den Tellerrand?

Sunk Cost Fallacy bei Fragen der Gesundheit

Benötigen wir eine ärztliche Behandlung, neigen wir dazu, sie weiterzuführen, selbst wenn die Ergebnisse immens hinter den Erwartungen zurückbleiben, denn nun sind wir ja »schon so weit mitgegangen«. Auch ein Arztwechsel ist eine Hürde, schließlich sind wir ja »schon so lange bei diesem Mediziner«. Ob das wirklich der richtige Grund ist, zu bleiben?

Sunk Cost Fallacy beim Investment

In Aktien, Fonds, ETFs oder Kryptowährungen investiert? Aus meiner Sicht eine gute Wahl! Doch sollten wir genau darauf achten, ob die Voraussetzungen, die uns zum Kauf veranlasst haben, weiterhin stimmen. Gibt der Kurs einmal nach und wir rutschen ins Minus, tendieren wir dazu, trotz schlechter Zukunftsprognosen an dem Investment festzuhalten – gar immer neues Geld nachzuschießen. Das Loslassen ist ungemein schwer. Umso wichtiger ist es, sich die Versunkene-Kosten-Falle vor Augen zu führen und weitere Anlageentscheidungen mit klarem Kopf auf Basis der Fakten zu treffen.

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Selbstcoaching – die Rückblickfalle endlich im Griff

Du hast die Sunk Cost Fallacy Erklärung verstanden und möchtest diesen Denkfehler vermeiden? Mit den folgenden Selbstcoaching-Fragen entlarvst du ihn sehr schnell und sorgst dafür, dass deiner cleveren, rationalen Entscheidungsfindung nichts mehr im Wege steht.

Frage 1: Warum willst du das angefangene Projekt fortsetzen bzw. an deiner früher getroffenen Entscheidung festhalten?
⇒ Beschreibt deine Antwort hauptsächlich bereits getätigte Aufwendungen/Investitionen, dann fahre mit Frage 2 fort.
⇒ Falls nicht, scheint deine Entscheidung auf zukunftsfähigen Beinen zu stehen. Weiter so!

Frage 2: Hättest du das Projekt noch nicht begonnen, würdest du mit deinem heutigen Wissen jetzt damit starten?
⇒ Bist du dir unsicher, fahre mit Frage 3 fort.
⇒ Lautet deine Antwort JA, scheinst du gute Gründe zu haben, an den zukünftigen Projekterfolg zu glauben. Wunderbar!

Frage 3: Warum sollte das Projekt in der Zukunft erfolgreich verlaufen, obwohl dies in der Vergangenheit nicht der Fall war? Was wirst du anders machen?
⇒ Fällt dir nichts Brauchbares dazu ein, ist es wahrscheinlich cleverer, die Reißleine zu ziehen und die Sache einzustampfen – oder sie zumindest erst einmal auf Eis zu legen. Du läufst ansonsten Gefahr, immer mehr Kosten und/oder Energie darin zu versenken. Neues Spiel, neues Glück.
⇒ Hast du aussichtsreiche Ideen bzw. strategische Änderungen für einen erfolgreichen Projektverlauf, dann gib der Sache eine zweite Chance und GO FOR IT.