Wie wir unsere Probleme mithilfe der Wunderfrage lösungsorientiert anpacken.

Es ist faszinierend, welche Chancen die Wunderfrage aufzeigt und wie sie festgefahrene Gedanken dazu bringt, einen positiven Zukunftsfilm vor unserem inneren Auge abzuspielen. Mit der Wunderfrage beamen wir uns selbst in eine Situation, in der das Problem nicht mehr besteht. Damit schaffen wir uns ein geistiges Umfeld, dass das Sorgenkarussell durchbricht und den Blick für Lösungen öffnet. Stellen wir uns solche Möglichkeiten aktiv vor, erleichtert uns das die Einleitung nötiger Veränderungsschritte enorm. Lassen wir uns auf dieses Experiment ein, hat es das Potenzial, uns aus der Hilflosigkeit heraus zurück ins Leben zu ziehen.

Gut zu wissen: Die Strategie der Wunderfrage stammt ursprünglich von dem amerikanischen Psychotherapeuten Steve de Shazer. Er entwickelte sie 1982 für seinen Ansatz der Kurzzeittherapie, die bis heute vielen Menschen eine Hilfe ist.

Und nun möchte ich dir von Marius erzählen, der sich über etwas den Kopf zerbricht, für das er einfach keinen Ausweg findet. Als er in einem kleinen Café auf einen Bekannten trifft, stellt der ihm eine Frage, die seine Situation in ein anderes Licht rückt.

Die Wunderfrage – der Schlüssel in deine Wunschzukunft

Der Schlüssel zum Erfolg liegt bereits in dir. Die Wunderfrage ist ein Coaching-Tool, das dir auf die Sprünge helfen kann. Foto: S. Hermann / F. Richter / pixabay

Das Café der Wunder

Als Marius das Café in einer Seitenstraße Münchens betrat, erkannte er den Mann mit dem weißen Bart sofort. »Ben«, rief er und steuerte geradewegs auf den älteren Herrn zu, der mit einer großen Kaffeetasse auf einem Stuhl am Fenster saß. Einige Gäste drehten sich neugierig zu ihnen herum. »Was verschlägt dich als Nordlicht so weit in den Süden?«, fragte Marius mit einem breiten Grinsen, als er beim Tisch angekommen war, und deutete auf den gegenüberliegenden freien Platz. »Darf ich?«
­ Benjamin sah zu ihm auf und schmunzelte. »Nur zu! Das ist ja eine schöne Überraschung. Ich bin tatsächlich zum ersten Mal in Bayern. Habe mir einen zweiten Heißluftballon geleistet und hole ihn heute ab. Und was ist mir dir? Du bist nach unserer Ballonfahrt im letzten Jahr also wirklich quer durch Deutschland zu deiner Freundin gezogen?«
­ »Ja, das bin ich.« Marius schaute auf die Uhr. »Mina kommt in einer halben Stunde – ich bin etwas früh dran.« Er zeigte auf die Tasse in Bens Hand. »Ich erinnere mich«, bemerkte er schmunzelnd. »Du hast mir damals erzählt, dass der Morgenkaffee am Fensterplatz eines deiner liebsten Rituale ist.«
­ Ben nickte. »So ist es – egal, wo ich mich gerade aufhalte. Du weißt doch: Eine Spur von Gewohnheit gibt mir Halt in der schnelllebigen Welt.«

Ehrlichkeit als Coaching-Basis

Marius senkte den Kopf und starrte wortlos auf die Tischplatte. Ben sah ihn aufmerksam an, dann nippte er am Kaffee und wartete geduldig.
­ »Ein wenig Erdung würde mir wohl auch guttun«, murmelte Marius schließlich mehr an sich selbst gerichtet als an den väterlichen Freund.
­ Ben blickte durch das Fenster in den Himmel hinauf, wo sich die Morgensonne langsam gegen den Frühnebel durchsetzte. »Von dort oben wirkt alles so einfach«, sagte er. »Sind wir zurück am Boden, liegt der Alltag plötzlich wieder mit uns auf Augenhöhe.«
­ Marius schaute zur Tür des Cafés. »Da ist was dran«, bestätigte er seufzend. »Seit ich zu Mina gezogen bin, kommt etwas in mir hoch, das ich bisher nicht kannte – und das ich ehrlich gesagt nicht sonderlich mag.« Er sah Ben für einen Moment in die Augen und ein warmes Gefühl von tiefem Vertrauen stieg in ihm auf. »Keine Ahnung, warum ich dich direkt mit meinen Problemen überfalle, obwohl wir uns so lange nicht gesehen haben. Irgendwie fühlt es sich gerade richtig an.«
­ »Dann ist es das vermutlich auch«, antwortete Ben lächelnd.
­ »Ich bin furchtbar eifersüchtig«, platzte es aus Marius ohne Umschweife heraus. »Wenn sie sich abends mit einer Freundin trifft, frage ich mich sofort, ob sie wirklich dort ist. Sitzt sie mit dem Smartphone auf dem Sofa, will ich wissen, wem sie schreibt. Dieser verdammte Drang macht mich wahnsinnig.«
­ »Glaubst du, dein Misstrauen ist berechtigt?«
­ Marius schüttelte den Kopf. »Eigentlich nicht. Sie hat mir nie einen Grund dafür gegeben und ist inzwischen echt genervt. In den Momenten fürchte ich, sie zu verlieren, was meine Eifersucht noch weiter verstärkt.«
­ »Ein Teufelskreis«, stellte Ben fest.
­ »Ja, und ich bin mitten drin.«

Das Café der Wunder: Probleme lösungsorientiert angehen

Café der Wunder: Coaching ist an jedem Ort der Welt möglich. Foto: Free-Photos / pixabay

Kreatives Coaching an jedem Ort

»Hast du es mal mit der Wunderfrage versucht?«, wollte Ben wissen.
­ »Mit der Wunderfrage? Was soll das sein?«
­ Ben lehnte sich in seinem Stuhl zurück und umfasste die warme Kaffeetasse mit beiden Händen. »Leg dich schlafen«, sagte er.
­ »Schlafen? Hier? Im Café?« Marius zog die Augenbrauen hoch.
­ »Ja«, antwortete Ben. Er nahm die Tasse vom Tisch und klopfte auf die Platte. »Bitteschön, jetzt ist ausreichend Platz.«
­ Marius zögerte. Bens kreative Herangehensweisen waren ihm von der gemeinsamen Ballonfahrt gut in Erinnerung geblieben – hatten sie ihn doch immer wieder zum Nachdenken gebracht. »Also gut«, stimmte er schließlich zu, legte die Arme überkreuz auf die Tischplatte und bettete seinen Kopf darauf. Die Unterhaltungen der anderen Gäste um ihn herum verschwammen zu einem unverständlichen Gemurmel, während er auf weitere Anweisungen wartete. Als keine erfolgten öffnete er die Augen.
­ Ben strahlte ihn an. »Guten Morgen«, begrüßte der ihn, als würden sie sich an diesem Tag zum ersten Mal sehen.
­ Marius richtete sich langsam auf. »Guten Morgen«, brummte er. »Wie lange hab ich hier gelegen?«
­ »Etwa fünf Minuten. Aber in der Zwischenzeit hat sich einiges verändert. Wir sind hier nämlich im Café der Wunder.«

Die Wunderfrage zeigt unsere Zukunft

­»Café der Wunder«, wiederholte Marius Bens Worte. »Und was ist während meiner mentalen Abwesenheit Magisches geschehen?«
­ »Nehmen wir an, deine Eifersucht sei wie von Zauberhand verschwunden. Woran würde Mina das merken?«
­ Marius fuhr sich durchs Haar und dachte kurz nach. »Ich wäre entspannter und würde keine blöden Kontrollfragen stellen.«
­ »Wie würde sie darauf wohl reagieren?«
­ »Sicher sehr erfreut. Ich glaube, mein Misstrauen ist inzwischen eine ganz schöne Belastung.«
­ »Wie zeigt sie ihre Freude normalerweise.«
­ Marius lächelte. »Ihre Augen funkeln dann richtig und die kleine Narbe auf der Wange verschmilzt mit ihren Grübchen.«
­ »Das ist eine schöne Vorstellung«, antwortete Ben. »Und was würde sich dadurch bei dir verändern?«
­ »Mein Magen und meine Nerven würden weniger verrückt spielen, sobald Mina mit jemandem chattet oder etwas später heimkommt.«
­ »Wie wäre das für dich?«
­ »Eine riesen Erleichterung! Diese dauernde Anspannung ist echt anstrengend, ich hätte endlich den Kopf frei und könnte die Zeit mir ihr genießen.«
­ Ben nickte. »Wie fühlt sich das an?«
­ Marius strahlte. »Toll!«
­ »Was würdest du als Erstes tun, wenn du sicher wärst, dass die Eifersucht nicht mehr da ist?«
­ »Mina in den Arm nehmen und ihr dann mit einem guten Gefühl ihren Freiraum lassen.«

Ergebnisse der Wunderfrage ankern

»Schließe noch einmal die Augen«, sagte Ben und Marius folgte der Bitte, ohne zu zögern. »Stell dir genau vor, was du mir beschrieben hast, und achte darauf, was du empfindest.« Ben ließ Marius Zeit, in seine Gefühlswelt einzutauchen, bevor der fortfuhr. »Nun drück dir selbst mit dem Daumen auf den Unterarm und fühl dich dabei weiter in die Situation ein.«
­ Als Marius die Augen wieder öffnete, betrachtete Ben ihn zufrieden. »Wiederhole das in den nächsten Tagen am besten ein paar Mal, um es fest zu verankern«, schlug er vor. »Und sobald die Eifersucht erneut in dir hochkommt, drücke auf den gleichen Punkt wie eben. Lässt du dich darauf ein, kehren die gespeicherten Emotionen zurück und helfen dir aus dem Tief heraus.«
­ Marius nickte. »Das klingt machbar. Vielleicht bekomme ich meine Gefühle damit wirklich in den Griff.«
­ »Zumindest ist es einen Versuch wert.« Als die Tür aufschwang, wanderte sein Blick zum Eingang. Eine junge Frau betrat das Café. Marius sprang auf. »Und jetzt möchte ich dir gerne Mina vorstellen«, sagte er zu Ben und lief dann mit offenen Armen auf seine Freundin zu.

Gut zu wissen: Marius und Ben lernten sich auf einer Ballonfahrt in dem Buch 10 STORIES of life »Glücklichsein« kennen. Mit zehn inspirierenden Erzählungen begleitete Ben ihn und seine Schwester Stella darin auf der Suche nach Antworten zu ihren Fragen des Lebens.

Ehrlichkeit ist die Grundlage im Selbstcoaching

Nimm dir einen Spiegel, schau dir tief in die Augen und sei ehrlich zu dir selbst. Foto: tookapic / pixabay

Die Wunderfrage als Sprungbrett zur Veränderung

Ob Problembewältigung oder Neuorientierung: Stellen wir uns selbst die Wunderfrage und beantworten sie in aller Ehrlichkeit, kann sie der erste Schritt weg vom Unbehagen und hin zur Lösung sein. Treten wir dabei gedanklich auf der Stelle, hilft etwas Bewegung oft, den Knoten im Kopf zu lösen. Ein Spaziergang klingt für so manchen vielleicht langweilig, ist für den kreativen Geist in uns aber durchaus hilfreich – bewegter Körper, bewegte Gedanken. Und nun viel Freude bei der Reise in deine Wunschzukunft.

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Selbstcoaching mit der Wunderfrage

Stelle dir vor, dein Problem hätte sich plötzlich in Luft ausgelöst:

­ • Was ist das erste Anzeichen, an dem du merkst, dass es weg ist?
­ • Wie fühlt es sich an?
­ • Was machst du als Erstes, sobald du feststellst, das du es los bist?
­ • Wer außer dir selbst bemerkt, dass das Problem nicht mehr existiert und woran?
­ • Wen überrascht deine Veränderung am meisten und wie reagiert die Person darauf?
­ • Wo wärst du am liebsten zu dem Zeitpunkt, an dem es verschwindet?

Lasse diesen Moment wie eine Filmszene in deinen Gedanken ablaufen und tauche in das Gefühl ein, das bei der Vorstellung in dir entsteht. Ankere diesen Augenblick und hole ihn immer dann zurück, wenn du rückfällig wirst. Die Lösung ist bereits in dir – locke sie aus der Dunkelheit heraus ins Licht und halte sie fest.